Schneeschimmel: Pilzerkrankung an Rasengräsern ohne Schnee im Winter

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Schneeschimmel: Pilzerkrankung an Rasengräsern ohne Schnee im Winter Foto: DLR Rheinlandpfalz, Frank Korting

Bisher ist in diesem Winter vielerorts noch nicht viel Schnee gefallen. Die Temperaturen schwanken zwischen vorfrühlingshaften Pluswerten und dem Gefrierpunkt. Die Rasengräser in unseren Gärten haben es bei diesem Hin und Her schwer, in eine eindeutige Winterruhe zu gehen. Das wäre jedoch wichtig, denn damit würde sich auch ein natürlicher Schutz vor Krankheitserregern einstellen.
Eine Kolumne von Pflanzenärztin Dr. Tina Balke


Tina BalkeDr. sc. agr. Tina Balke ist Pflanzenärztin. An sie wenden sich Garten- und Zimmerpflanzenbesitzer ebenso wie Profi-Gärtner, die Probleme mit erkrankten oder schädlingsbefallenen Pflanzen haben und wissen wollen, wie sie diese wieder loswerden. Die Diplom-Agraringenieurin und promovierte Phytomedizinerin bietet eine Online-Beratung und in der Region Bodensee-Oberschwaben auch Vor-Ort-Termine an. www.die-pflanzenaerztin.de  

Im Gegensatz dazu profitiert von dieser Witterung eine Pilzerkrankung der Gräser: der Schneeschimmel, lateinisch Microdochium nivale. Der Name Schneeschimmel ist etwas irreführend, denn er bezieht sich lediglich auf das Geflecht, d.h. das Myzel des Pilzes, welches sich wie ein spinnwebartiger Schleier über die Grashalme ausbreitet und daher wie frisch gefallener Schnee aussieht. Der Pilz lauert zwar ganzjährig auf Grashalmen und Pflanzenresten im Boden, verhält sich dabei aber meist recht unauffällig. Erst wenn es im Herbst wieder nasser und kühler wird „blüht“ er so richtig auf und treibt sein Unwesen. Dann hinterlässt er hässliche graue Flecken im Rasen.

Da in den Winterhalbjahren der vergangenen Zeit öfter derart veränderte Umweltbedingungen herrschen, ist der Pilz ein zunehmendes Problem für Gräser geworden. Das merke ich auch in meiner Beratung, wenn ich vermehrt auf den „Schimmel im Rasen“ angesprochen werde.

Was empfehle ich, wenn der Rasen Schneeschimmel hat? Sie sollten alles Mögliche tun, um die Regeneration der Gräser zu unterstützen. Denn die gute Nachricht ist: Der Pilz zerstört nur die oberirdischen grünen Halme, jedoch nicht den Vegetationspunkt der Pflanze. Zudem stellt der Pilz sein Wachstum ein, wenn die Temperaturen im Frühjahr steigen. Die Rasengräser treiben zu diesem Zeitpunkt im Jahr wieder neu und gesund aus.

Sie können den Heilungsprozess der Gräser fördern, indem Sie im zeitigen Frühjahr die infizierten Gräser und abgestorbenen Pflanzenreste, d.h. den Rasenfilz, entfernen. So schaffen Sie Platz für den Neuaufwuchs und beseitigen das darin überdauernde Pilzgeflecht. Verwenden Sie dazu einen Rechen oder vertikutieren Sie mit einer flachen Einstellung des Gerätes. Beachten Sie, dass die Erde bei dieser Arbeit abgetrocknet sein sollte. Säen Sie die kahlen Stellen dann nach, um die Lücken rasch zu schließen.

Stärken Sie die Gräser durch eine angepasste Düngung: Im Frühjahr mit einem stickstoffreichen „Frühjahrs-Rasendünger“ und im Herbst mit einem kaliumreichen „Herbst-Rasendünger“. Bitte verwechseln Sie das nicht mit den prophylaktischen Kalkgaben, die oft unbedacht ausgestreut werden, um den Gräsern vermeintlich etwas Gutes zu tun. Dadurch erhöht sich nur der pH-Wert des Bodens, was wiederum den Pilzerreger begünstigt.

Übrigens, auch wenn es im Internet das Angebot gibt: Breitband-Fungizide zur Abtötung des Erregers sind für den Hausgarten nicht zugelassen!

Grundsätzlich kann ich Ihnen empfehlen: Bleiben Sie gelassen! Von unserem Ideal eines sattgrünen Rasens, der uns das ganze Jahr über mit einem einheitlichen Bild erfreut, sollten wir uns allerdings allmählich verabschieden. Denn die veränderten Witterungsbedingungen ermöglichen uns dieses Bild nur mit erhöhtem Pflegeaufwand aufrechtzuerhalten. Wir sollten unsere Ansprüche an eine Rasenfläche im eigenen Garten herunterschrauben oder über eine pflegeleichtere alternative Bepflanzung nachdenken.

Mit vielen Grüßen aus Bad Waldsee!

Ihre Pflanzenärztin Tina Balke