Was ist zu tun, damit die Aussaat sicher aufgeht?

Publiziert in Anzucht & Saatgut

Die Grundlage für den gärtnerischen Erfolg wird schon beim Aussäen gelegt. Deshalb lohnt es sich, einige Tricks anzuwenden, um diese Phase schnell und erfolgreich zu absolvieren.


  • Die Keimhemmung lässt sich durch Wärme, durch Anfeilen der Schale und durch Vorquellen überwinden.

  • Samenbäder mit Heilkräutern und anderen Zutaten fördern Keimung, Wachstum und Gesundheit.

  • Auch das Substrat kann man durch Vorbehandlung und Zusätze präparieren.


Erfolgreiches Gärtnern beginnt mit der Aussaat. Schon seit Anbeginn des Pflanzenbaus hat der Mensch Kniffe entwickelt, um die Keimung des Saatguts in Gang zu bringen, um Ausfälle zu mindern und den Wachstumsstart zu fördern.

Aufgrund der ungünstigen Lebensbedingungen für Pflanzen im Winter haben viele heimische Arten einen natürlichen Schutzmechanismus eingerichtet, der eine Keimung der Samen zu dieser unwirtlichen Jahreszeit verhindert. Diese so genannte Keimruhe wird durch keimhemmende Stoffe oder harte Samenschalen hervorgerufen. Um sie unabhängig von der Natur zu überwinden, kann man einige Tricks anwenden.

tippicon- Die feinkrümelige und relativ keimfreie Erde von Maulwurfshügeln hat sich schon bei unseren Großeltern vielfach als Anzuchtssubstrat bewährt.
- Wenn man die Anzuchterde in einem beheizten Raum vorwärmt, wird die Keimung etwas beschleunigt.

Wie lässt sich die Keimruhe beenden?

Die so genannten Kaltkeimer müssen einige Tage lang Temperaturen um den Gefrierpunkt ausgesetzt sein, damit sie ihre Keimhemmung überwinden.

Die Keimung von hartschaligem Saatgut (z. B. Geranien- und Gehölzsamen) beschleunigt man durch vorsichtiges Anritzen, Anfeilen oder Aufrauen der Schale mit Sandpapier und anschließendes Vorquellen. Somit kann die Feuchtigkeit schneller zum Samen vordringen – und die Keimdauer wird verkürzt.

Das Vorquellen der Samen in einem Kräuterbad wirkt in vielerlei Hinsicht förderlich. Davon profitiert die Gesundheit des Sämlings wie auch die Keimgeschwindigkeit. Hemmstoffe, die das Keimen verhindern, werden durch das Wasser ausgewaschen.

Ein etwa einstündiges Kamillenbad vor der Saat gilt für Schmetterlingsblütler wie Erbsen oder Bohnen als äußerst keim- und wachstumsfördernd. Dazu einfach herkömmlichen Kamillentee aufbrühen und etwa 24 Stunden ziehen lassen.

Für Zwiebeln, Lauch, Tomaten, Paprika und Kohlgemüse sowie insbesondere für die kälteempfindlichen Samen von Gurken oder Zucchini ist eine Badekur zu empfehlen, die wärmt und das Wurzelwachstum fördert, und zwar in einem Extrakt aus Baldrianblüten (10 Tropfen Extrakt pro 1 Liter abgekochtes Wasser). Zusätzlich begünstigt ein solches Baldrianbad den Blütenansatz bei Blumen und die Ausbildung von Blumenkohl und Brokkoli.

Wie kann man „Kinderkrankheiten“ vorbeugen?

Um die empfindlichen Keimlinge gegen Pilzkrankheiten zu schützen, kann man die Samen in einem Sud aus Knoblauch, Meerrettich oder Ackerschachtelhalm vorquellen lassen. Für das Knoblauch-Bad eignen sich zum Beispiel Tomaten- und Gurkensamen; Erbsen und Bohnen sowie Kohlgewächsen bekommt diese Behandlung dagegen nicht. Das Meerrettich-Bad eignet sich mit Ausnahme der Kreuzblütler für alle Samen.

Zur Herstellung einer solchen Tinktur lässt man 100 g klein gehackte Meerrettichwurzeln etwa 24 Stunden, Knoblauchzehen dagegen nur eine Stunde in 1 Liter handwarmem, zuvor abgekochtem Wasser ziehen.

Für ein Schachtelhalm-Bad, das sie Abwehrkräfte stärkt, werden 50 g getrocknete Pflanzenmasse in 1 Liter Wasser etwa 24 Stunden lang eingeweicht, dann 30 Minuten auf kleiner Flamme geköchelt.

Unter dem Namen „Humofix“ sind auch abgepackte Kräutermischungen für Samenbäder erhältlich.

tippicon- Während einer Badekur lassen sich „taube“ Samen leicht aussortieren – sie bleiben an der Oberfläche.
- Da durch das Bad die Keimung angeregt wird, muss innerhalb eines Tages ausgesät werden.

Wem die Zutaten für ein Kräuterbad fehlen, der kann auch mittels einer Heißwasserbehandlung (ca. 30 Min. bei 50 °C) die Widerstandsfähigkeit gegen Pilzerkrankungen etwas verbessern. Dies gelingt zum Beispiel bei Kohl, Gurken, Kürbis, Zucchini, Bohnen und Erbsen, aber auch bei Zwiebeln und Knollen der Narzissen, Lilien, Gladiolen, Tulpen, Krokusse, Hyazinthen und Gladiolen.

Seit der Antike bewährt sind Samenbäder in einer Kuhmist-Lösung. Die in biologisch gesundem Mist enthaltenen Mikroorganismen sorgen für günstige Keimungsbedingungen.

Zur Herstellung der Lösung gibt man eine Schaufel Kuhmist in einen Eimer Wasser, lässt die Flüssigkeit unter mehrmaligen Rühren 3 bis 6 Tage ziehen und verdünnt sie schließlich im Verhältnis 1:10 mit Regenwasser. Die Samen lässt man darin – je nach Größe – 2 bis 24 Stunden lang quellen.

tippicon- Kompost in der Saatrille fördert die Keimbedingungen.
- Eine Abdeckung des Saatbeets aus fein gehacktem Moos hält die Erde feucht und warm und gewährleistetet den Luftaustausch.

Lässt sich mangelndes Licht ausgleichen?

Oftmals reicht das Licht auf einer Fensterbank nicht aus, um kräftige und kompakte Sämlinge zu bekommen. Stattdessen wachsen sie langstielig und fallen leicht um. Durch regelmäßiges Streicheln der Sämlinge kann man dem entgegensteuern – ob mit einem Holzstab oder einfach mit der bloßen Hand: Wer regelmäßig und mehrmals täglich über seine Pflänzchen streicht, regt sie – wie der Wind in der freien Natur – zu kräftigem, kompaktem Wachstum an.

Mit speziellen Anzuchtlampen steht dir auch eine technische Möglichkeit zur Verfügung, um die Lichtausbeute der Pflanzen zu verbessern.