Apfel und Birne – die Kronen unserer Obstgärten

Publiziert in Obst
Apfel und Birne – die Kronen unserer Obstgärten www.fructus.ch

Seit paradiesischen Zeiten hat das Kernobst wenig von seiner Anziehungskraft eingebüßt. Die saftig-süßen Früchte gelten als Inbegriff von Fruchtbarkeit sowie gesunder Ernährung, und die Bäume bieten im Garten wertvollen natürlichen Lebensraum.


  • Beide Kernobstarten gehören zum heimischen Obst und sind relativ pflegeleicht; Birnen benötigen mehr Wärme.
  • Die Vielfalt der Sorten erlaubt eine Auswahl für jeden Standort und Geschmack.
  • Auf schwachwüchsigen Unterlagen gelingt der Anbau auch in kleinen Gärten.

Kein Wunder, dass der Apfel in unserer Kultur ein wichtiges, immer wieder auftauchendes Symbol ist: Es ist die erste Frucht bzw. Pflanze, die in unserer Schöpfungsgeschichte auftritt. Aber auch die Birne hat mit ihrer charakteristischen Formeinen festen Platz in unserer Bilderwelt errungen.

Apfel und Birne sind in unseren Gärten und Landschaften die wichtigsten Obstbäume. Von den ursprünglichen Wildgehölzen wurden unzählige Sorten selektiert und gezüchtet, bei den Äpfeln über 1000. Sie unterscheiden sich in Aussehen, Reifezeit, Geschmack und Verwendbarkeit der Früchte sowie in den Ansprüchen an den Standort und in ihrer Widerstandsfähigkeit gegen Krankheiten und Frost. Mit der Wahl der Unterlage lässt sich zudem die Wuchsgröße lenken. Daher sollte jeder einen Baum finden können, der seine Bedingungen und Wünsche erfüllt.

Apfel (Malus domestica)

Apfelbäume gedeihen genauso wie Weinreben und andere sommergrüne Obstgehölze nur in gemäßigten Regionen der Erde. In den Tropen würden sie verkümmern, weil sie ihre Winterruhe brauchen. Ihre enorme Frosthärte macht aber den Anbau auch in sonst ungemütlichen Klimazonen möglich, wie in Kanada oder Skandinavien. Die Robustheit ist allerdings stark von der Sorte abhängig: Jede Sorte hat nicht nur hinsichtlich der Früchte, sondern auch als Pflanze ihre Eigenheiten. So gibt es Unterschiede in der Anfälligkeit für Schorf, Mehltau, Krebs und andere Krankheiten sowie in der Wuchsart und -form. Ganz entscheidend aber wirkt sich ebenso die Veredelungs-Unterlage aus.

M 9 und M 26 sind die beiden bewährtesten Wurzelunterlagen, mit denen sich Spindelbüsche und Obsthecken erzielen lassen, so dass man auch im kleinsten Garten Äpfel anbauen kann. Kalte und nasse Böden werden von diesen Zwergformen schlecht vertragen.

Wer wenig Platz hat und dennoch nicht auf ein großes Sortiment verzichten will, für den sind kleine Typen ideal. Wie in Obstplantagen lassen sich solche sogenannten Schlanken Spindeln in Reihen oder in Hecken pflanzen. Eine Obsthecke etwa an der Grenze fruchtet reichlich und sieht gut aus, besonders im Frühjahr, wenn sie blüht, und im Herbst zur Reifezeit der Früchte. Es sind auch Zwerg- und Säulenbäumchen erhältlich, die sogar in Kübeln gedeihen. Sie bilden gerade, schwache Stämmchen und keine Seitenäste, sondern setzen ihr Fruchtholz direkt an den Stämmchen an. Auch von diesen "Ballerinas" gibt es mehrere Sorten.

tippiconÖko-Tipp: In freien Lagen oder Wiesen empfiehlt es sich, Halb- oder Hochstämme anzupflanzen, weil sie einen wertvollen Lebensraum für zahlreiche Insekten, Vögel und sogar Säugetiere bilden.

Die Qual der Sortenwahl

Die zentrale Rolle bei der Auswahl der geeigneten Sorte spielen die Eigenschaften der Frucht. Aroma, Süße bzw. Säure und Saftigkeit sprechen die Sinne direkt an. Größe, Form und Ausfärbung sind äußerliche Faktoren, die auch nicht vernachlässigt werden sollte. Dann folgen Fragen zur Nutzung: Wollen Sie einen frühen Apfel zum Frischverzehr oder eher eine Frucht für die winterliche Vitaminversorgung, die sich gut lagern oder auch verarbeiten lässt?

Die Züchtung an Resistenzeigenschaften erspart den Einsatz von Pflanzenschutzmitteln und damit sowohl Kosten als auch die Vergiftung der Umwelt. Allerdings gerät bei diesen Zielen häufig das Fruchtaroma aus dem Blickfeld. Erst mit zunehmenden Erfahrungen gelang es immer häufiger, resistente und geschmackvolle Sorten auf den Markt zu bringen. Besonders erfolgreich waren in dieser Hinsicht die Züchter aus Dresden-Pillnitz, die zahlreiche resistente „Re“-Sorten herausgebracht haben (z. B. ‘Retina’, ‘Reglindis’, ‘Reanda’).

Pflanzenliebhaber bevorzugen häufig die alten Sorten, die sich bereits bewährt und zudem eine Geschichte aufzuweisen haben. Und vergessen Sie nicht, nach Lokalsorten zu fragen, die sich besonders gut an die herrschenden Verhältnisse angepasst haben.

Das Sortiment an Apfelsorten ist riesengroß. Durch Züchtung sowie die Auswahl von Zufallssämlingen sind weit mehr als 1000 Apfelsorten entstanden.Doch nicht alle Sorten, die es im Supermarkt zu kaufen gibt, gedeihen auch in unseren Breiten. Die Früchte von ‘Granny Smith’, ‘Golden Delicious’, ‘Fuji’ oder ‘Braeburn’ benötigen lange, warme Sommer, um zu reifen; selbst in Weinbauregionen entwickeln sie nicht immer ihre volle Größe und ihr volles Aroma.

Ein Baum der Sorte ‘Klarapfel’ liefert in der Regel mehr Früchte, als eine fünfköpfige Familie alleine aufessen kann. Greifen Sie in der Baumschule also nur zu einem Hochstamm, wenn sie Abnehmer für die Fülle finden, denn überreife ‘Klaräpfel’ werden schnell mehlig und lassen sich wie andere Sommersorten nicht lagern. Auch zum Verarbeiten, zum Entsaften oder Backen eignen sich die frühen Sorten nur bedingt. Wer einen großen Garten und Platz für Hochstamm-Apfelbäume hat, sollte sich an Lagersorten halten.

Unter Umständen lohnt es sich durchaus, unbekannte, regionale Apfelsorten, die etwa der Nachbar im Garten hat, in den eigenen Garten zu holen. Das ist gut durch das Veredeln möglich.

Die häufige Meinung, "alte" Sorten seien grundsätzlich besser als "neue", läßt sich so allgemein nicht halten. Immerhin ist beispielsweise auch der oft geschmähte 'Golden Delicious` durchaus keine Neuheit: Er wird bereits seit 1890 angebaut. Neue Züchtungen haben auch schon etliche Jahre "auf dem Buckel", bis sie anerkannt werden und in den Handel kommen.

Apfelsorten für den Hausgarten

Klarapfel’ – früheste Sorte, Genussreife Juli, August, Frucht gelbgrün, lockeres Fleisch, säuerlich saftig, Baum und Blüte frosthart, kräftig schneiden.

James Grieve’ – Genussreife September bis Oktober, Frucht rot gestreift, saftig, sehr aromatisch.

Alkmene’ – Genussreife September bis November, Frucht gelbrot, süß aromatisch; robust. 

Goldparmäne’ – Genussreife Oktober bis Januar, Frucht gelb, rot gestreift, würzig, mild säuerlich, festes Fleisch.

Elstar’ – Genussreife Oktober bis Februar, Frucht gelb, sonnenseitig rot, saftig würzig; bevborzugt warme Lagen.

Jonagold’ – Genussreife Oktober bis März, Frucht gelb-rot, süß, säurearm; nur für warme Lagen.

Pinova’ – Genussreife Oktober bis April, Frucht gelb, rot überlaufen, würzig aromatisch, robust.

Gloster’ – Genussreife Dezember bis März, Frucht rot, saftig aromatisch, säurearm; frostfest.

Roter Boskoop’ – Genussreife Dezember bis Mai, Frucht rot, erfrischend säuerlich, viel Vitamin C; gut zum Backen und Entsaften geeignet. 

Ontario’ – Genussreife Januar bis Mai, Frucht grünrot, spritzig säuerlich, enthält viel Vitamin C, Blüte frosthart, Baum frostempfindlich.

Schorfresistente Sorten: Folgende Sorten wurden auf Schorfresistenz gezüchtet und sind gleichzeitig geschmacklich empfehlenswert: ‘Resi’ (haltbar bis Januar), ‘Reanda’ (bis Februar), ‘Rewena’, ‘Topaz’ (bis März) ‘Renora’ (bis April)

Standortansprüche

ApfelblueteManche Sorten bevorzugen eher einen feuchten, einen mageren, durchlässigen oder einen nährstoffreichen Boden oder eine geschützte Lage (z. B. 'Ontario', 'Blenheim'). Grund dafür kann unter anderem einen späte Blüte sein, die besonders spätfrostgefährdet ist.

Apfelbäume brauchen einen tiefgründigen, humosen Boden mit guter Wasserversorgung. Schwerer Lehm sowie leichter Sand oder Kies sind gleichermaßen weniger geeignet und müssen verbessert werden, sonst "bleiben" die Jungpflanzen "sitzen", das heißt sie wachsen nicht richtig und kümmern dahin. Sehr günstig wirken sich Kompostgaben bei der Pflanzung aus.

Die Bäume selbst sind recht genügsam und pflegeleicht. Nach der Pflanzung fördert der regelmäßige Erziehungsschnitt die Entwicklung schöner Kronen. Später brauchen sie nur noch gelegentlich einen Instandhaltungs- oder Auslichtungsschnitt. Wenn keine Höchsterträge erwartet werden, genügen in der Regel die Nährstoffvorräte im Boden. Krankheiten oder Schädlingsepidemien sind im Hausgarten recht selten, so daß hier - anders als in Obstplantagen - keine regelmäßige Bekämpfung nötig ist. Mit Blattläusen und anderen tierischen Schädlingen werden meistens die natürlichen Feinde fertig, und von Mehltau oder anderen Krankheiten erholen sich die Pflanzen normalerweise selbst. Im Notfall kommen im Hausgarten ungefährliche Pflanzenschutzmittel zum Einsatz.

Mischbestände sind vorteilhaft für die Befruchtung, denn die meisten Apfelsorten müssen von einer geeigneten anderen Sorte bestäubt werden.

Birne (Pyrus communis)

Birne 0086 SuBei uns ist etwa ein Dutzend Sorten verbreitet. Die Früchte sind noicht so haltbar wie Äpfel. 'Williams Christ‘ ist nicht nur geschmacklich eine der wertvollsten Birnensorten, sondern auch die beste Befruchterin.Kleine Baumformen erzielt man durch Veredelungen auf Quitten-Unterlagen.

Standort und Pflege

Birnen benötigen mehr Wärme als Apfelbäume, vor allem die spät reifenden Sorten. Sie reagieren außerdem empfindlich auf nasse, verdichtete Böden. In rauen Lagen reifen die Früchte nur als Spalier an einer Südwand.

Im Allgemeinen sind Birnenbäume recht pflegeleicht. Allerdings ist wie beim Apfel ein regelmäßiger Erziehungs- und ein Auslichtungsschnitt erforderlich. Es lohnt sich, die Baumscheibe von Wildwuchs freizuhalten, um dort Kompost einzuarbeiten, zu mulchen und gegebenenfalls Gründünger einzusäen.

Ernte und Lagerung

Je nach Sorte von August bis Oktober. Birnen sind nicht so lange haltbar wie Äpfel. Besonderes: Einige Sorten neigen dazu, auch ohne Bestäubung Früchte zu bilden (Jungfernfrüchtigkeit), zum Beispiel nach Blütenfrost. Diese Früchte sind lang, schmal und besitzen keine Samen

Birnen-Sorten

‘Frühe von Trévoux: Reife VIII, gelbgrün, rasch mehlig; robust

‘Clapps Liebling’: Reife VIII, gelbgrün, saftig; anspruchslos

‘Williams Christ: Reife VIII-IX, aromatisch süß; braucht warmen und durchlässigen Standortansprüche

‘Gute Luise: Reife IX, sehr aromatisch; nur geschützte Standorte

‘Köstliche von Charneu: Reife IX-X, sehr saftig, würzig; frische Böden

‘Conférence: Reife IX-X, aromatisch, lagerfähig; robust

‘Alexander Lucas: Reife IX-X, süß, lagerfähig; windgeschützt

pflanzendoktoriconPflanzenschutz: Rostige Flecken auf den Blättern (Birnengitterrost) vermeidet, wer die Umgebung frei von Wacholdern hält. Der Pilz wechselt zwischen beiden Gehölzen – fehlt eines, kann er nicht überleben. Im Hausgarten muss er jedoch nicht bekämpft werden.