Natur des Jahres

Publiziert in Aktuelles
Natur des Jahres Foto: J. Haas/AHO

Verschiedene Stiftungen und Naturschutz-Initiativen haben wieder verschiedene Pflanzen und Tiere zum jeweiligen Vertreter seiner Zunft für das Jahr 2020 auserkoren, um auf deren Leistungen oder – leider in den meisten Fällen – auf eine Gefährdung der jeweiligen Art aufmerksam zu machen und für Schutzmaßnahmen zu werben. Hier sind die Preisträger:

Pflanzen des Jahres

Die Loki-Schmid-Stiftung führt uns zur Blume des Jahres diesmal in Moore und Sümpfe: Hier ist der Fieberklee (Menyanthes trifoliata) zuhause, eine typische Art der Übergangsmoore. Zwischen April und Juni zeigt sie sich mit ihren zarten weißen Blüten in ihrer ganzen Schönheit, um vor allem Hummeln zu Tisch zu bitten. Mit der Wahl des Fieberklees soll auf den dringend notwendigen Schutz seiner Lebensräume aufmerksam gemacht werden. Und nicht nur weil sich hier eine Vielzahl gefährdeter, hoch spezialisierter Arten wohl fühlt: Nicht zuletzt wird das Klima in erheblichem Maße durch Moore beeinflusst. Obwohl diese Landschaften nur 3 % der Erdoberfläche bedecken, binden sie in ihrer Biomasse etwa doppelt so viel Kohlenstoff wie alle Wälder weltweit.

Zeitgleich mit der Apfelblüte zeigt das Breitblättrige Knabenkraut (Dactylorhiza majalis, Bild oben) seine leuchtend roten Blüten. Je nach Höhenlage kann man sie bis in den Juli entdecken, bevorzugt auf ungedüngten Feuchtwiesen in alpinen Regionen. Die drei bis vier länglich-eiförmigen Blätter am Stiel der kräftigen Pflanze sind meistens gefleckt und somit leicht erkennbar. Lebensräume der Orchidee des Jahres 2020 sind neben feuchten Wiesen und Weiden auch Gewässerufer und Dünentäler sowie alte Steinbrüche. Auf Grund stetiger Erwärmung und nachlassender Niederschlagsmenge trocknen diese Biotope immer weiter aus. Aber auch Überweidung oder mangelnde Pflege dieser Lebensräume gefährden den Bestand dieser Art.

Der Franzose Jean Robin brachte 1601 eine Pflanze nach Europa, die nach ihm Robinie (Robinia pseudoacacia) benannt wurde. Noch im selben Jahrhundert konnte sich die widerstandsfähige Baumart über nahezu ganz Europa verbreiten. Im Mai schmückt sie sich mit weißen oder rosafarbenen Blütentrauben, die sehr nektarreich sind und eine gute Bienenweide abgeben, und hüllt dabei ihre Umgebung in einen intensiven Orangenduft. Zwar wird die Robinie nicht überall gern gesehen, da sie oft die vorherrschende Vegetation verdrängt. Doch der Baum des Jahres 2020 kann für uns noch wertvoll werden, weil er trockene, heiße Sommer bestens verträgt und somit widerstandsfähig ist gegen den Klimawandel.

Die Wegwarte (Cichorium intybus) wächst an Mauern, auf Bahndämmen, Schutthalden und Straßenrändern. Zur Heilpflanze des Jahres 2020 hat der Verein NHV Theophrastus die Wegwarte gekürt, weil sie bei Verdauungsbeschwerden und Appetitmangel eingesetzt werden kann, zudem ist sie eine bewährte Zutat für eine entgiftende Frühjahrskur. Seit dem 18. Jahrhundert wird die geröstete Wurzel auch als Kaffeeersatz verwendet.

Arzneipflanze des Jahres ist der Lavendel (Lavandula angustifolia). Die in Blüten und Blättern enthaltenen Öle werden bereits seit der Antike als pflanzliches Mittel zur Beruhigung und Entspannung genutzt. Die Blüten finden außerdem als Gewürz, zur Abwehr von Ungeziefer, für Duftpotpourris und als Badezusatz Verwendung.

Tierische Würdenträger

NdJ Maulwurf Arco ImagesDer Maulwurf (Talpa europaea, Foto: Arco Images) wird zu Unrecht von manchem Gartenfreund verfolgt. Die aufgeworfenen Hügel mögen im perfekten Rasen störend sein, doch im Grunde weisen Sie darauf hin, dass das Bodenleben intakt ist. Maulwürfe fressen Regenwürmer, Insekten, Larven und Schnecken. Wo Maulwürfe leben, haben es Wühlmäuse schwer. Übrigens ist die Erde, die sie aufwühlen, nährstoffreich, unkraut- und wurzelfrei. Obwohl bei uns nicht bedroht, hat sich der Maulwurf die Auszeichnung zum Tier des Jahres aufgrund seiner ökologischen Funktion und seiner optimalen Anpassung an einen sehr speziellen Lebensraum verdient.

NdJ Zauneidechsen AndreasMeyer DGHTVor allem die attraktive Zeichnung der smaragdgrünen Männchen macht die Zauneidechse (Lacerta agilis, Foto: Andreas Meyer/DGHT) als Reptil des Jahres zum idealen Werbeträger für gefährdete heimischen Kriechtiere. Die früher allgegenwärtige Art ist aus vielen Gebieten heute verschwunden. Die wechselwarmen Tiere besiedeln trockene Waldränder, Bahndämme, Kiesgruben, Wildgärten und ähnliche Lebensräume mit einem Wechsel aus offenen, lockerbödigen Abschnitten und dichter bewachsenen Bereichen. Sie ernähren sich von Insekten und anderen Kleintieren.

Dem durchschnittlichen Gartenfreund fällt der Schwarzblaue Ölkäfer (Meloe proscarabaeus), Insekt des Jahres 2020, am ehesten im April/ Mai auf, wenn er mit seinem blauschwarz glänzenden Körper auf der Suche nach blühenden Nahrungspflanzen schwerfällig über den Weg krabbelt (»Maiwurm«). Die flugunfähigen Käfer enthalten das starke Gift Cantharidin, das schon seit Jahrtausenden auch als Medikament verwendet wurde. Sie leben bevorzugt an extensiv landwirtschaftlich genutzten Standorten. Obwohl ein einzelnes Weibchen Zigtausende von Eiern legen kann, wird die Art als gefährdet eingestuft, da die Entwicklung vom Ei zum ausgewachsenen Tier sehr störungsanfällig ist.

Schmetterling des Jahres ist der Grüne Zipfelfalter (Callophrys rubi). Er fliegt von April bis Juli und ist anhand seiner leuchtend grünen Flügelunterseiten eindeutig zu erkennen. Seine Bestände gehen in vielen Regionen deutlich zurück. Dies ist umso bedenklicher, als sich der kleine grünschimmernde Falter von vielen unterschiedlichen Pflanzen ernähren kann und auch keine besonderen Ansprüche an seinen Lebensraum stellt.

NdJ Azurjungfer Paarung MPostDie Speer-Azurjungfer (Coenagrion hastulatum, Foto: M. Post) war bereits 2013 einmal Libelle des Jahres. Aber aufgrund anhaltender, besorgniserregender Bestandsrückgänge soll die erneute Ernennung darauf hinweisen, dass mehr geschehen muss. Die Gründe für den Rückgang sind vor allem im Verlust sowie in Veränderungen der Lebensräume (Moore und andere nährstoffarme Gewässer) durch Eutrophierung und Klimawandel (Austrocknung) zu suchen.

Mit der Turteltaube wurde ein Symbol für Liebe, Glück und Frieden zum Vogel des Jahres ausgerufen. Dessen Lebensbedingungen sind leider weniger romantisch: Seit 1980 haben sich die Bestände in Deutschland um fast 90 Prozent verringert. Nicht zuletzt durch die industrialisierte Landwirtschaft sind Lebensräume wie strukturreiche Wald- und Feldränder verloren gegangen. Doch ein weiterer Punkt bedroht die Turteltaube: Als einzige Langstreckenzieherin unter unseren Tauben verbringt sie den Winter in Afrika und ist auf ihrem Zugweg massiv durch Jagd gefährdet. Allein in der EU werden jährlich rund zwei Millionen Turteltauben getötet. Durch die Wahl zum Vogel des Jahres soll daher unter anderem die Forderung nach einem Jagdstopp bekräftigt werden.

 

Weitere Naturelemente …

   

des Jahres 2020

Gefährdete Nutztierrasse

 

Pustertaler Rind und
Westerwälder Kuhhund

Fisch

 

Nase

Wildbiene

 

Auen-Schenkelbiene

Pilz

 

Stinkmorchel

Boden

 

Watt

Flusslandschaft

 

Weiße Elster

Waldgebiet

 

Ivenacker Eichen

Pflanzengesellschaft

 

Borstgrasrasen